Online – Hilfe bei psychischen Problemen

Zwei Dinge sind zu unterscheiden:
Informationsbeschaffung und Online – Therapie.

Beispiel, Depression.

Trauer, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit – immer mehr Menschen erkennen an sich diese typischen Symptome einer Depression. Web-Foren, YouTube, Facebook, Twitter etc. gehören dann zu den wichtigsten Möglichkeiten, um sich anonym zu informieren.

Aber hilft das auch weiter? Und kann das vielleicht sogar eine Therapie ersetzen?

JEIN!

Das Internet & Co. ist für viele der erste Anlaufpunkt: Auf welche Krankheit lassen meine Symptome schließen? Welche Therapien gibt es? Und, wie leben eigentlich andere, die das gleiche Problem haben?

Vor allem für Patienten mit psychischem Leiden ist die letzte Frage wesentlich. Wer unter z.B. Depressionen leidet, der kann sich im Internet anonym in Foren und in den sozialen Medien umsehen und austauschen. Sucht man mit entsprechenden Schlagworten, findet man auch Foren in denen sich Betroffene über ihre Gefühle und Erlebnisse mit der Krankheit austauschen können.

Doch das Internet & Co. birgt auch Gefahren:

  • Die Fehleinschätzung der eigenen Situation.
  • Wer psychische Leiden verspürt, zieht sich meistens auch stark zurück. Die virtuelle und anonyme Internet & Co. – Welt verstärkt solche Isolation und ist damit gefährlich kontraproduktiv.

Professor Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig, hat durch seine Studien belegt [Zitatanfang]: „Der wichtigste Aspekt am Austausch im Internet ist, dass die Betroffenen lernen, dass sie nicht alleine sind.

Insbesondere Menschen mit Depressionen ziehen sich oftmals in die Isolation zurück und werden gleichzeitig von dem Gefühl geplagt, dass es keinen Ausweg aus ihrer Situation gibt. Der Blick ins Internet hilft dann, ohne das Haus verlassen zu müssen oder das direkte Gespräch mit jemandem zu suchen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen.

Der Austausch zwischen den Foren-Teilnehmern wird sehr schnell sehr persönlich und sie geben sich viele Tipps.“ [Zitatende].

Die Betroffenen merken bei ihren Recherchen im Internet & Co., dass es nicht ihre Schuld oder ihr persönliches Versagen ist, sondern dass sie schlicht an einer Erkrankung leiden, wie andere Menschen beispielsweise an einer Diabetes erkranken.

Die Möglichkeit, den Schuldgefühlen zu entkommen, hilft dann, sich selbst anders wahrzunehmen und für Behandlungs- oder Therapieangebote offen zu sein.

Wer also nach der virtuellen Information seine Situation so einschätzt, dass er sich länger als zwei Wochen ungewöhnlich schwer fühlt, an Erschöpfungszuständen leidet und dauernd ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit hat, der sollte jetzt unbedingt fachspezifische Hilfe Face-to-Face in Anspruch nehmen.

Soweit der Punkt Informationsbeschaffung.

Online – Therapie hat eine andere Wertigkeit.

Wohlgemerkt, ich spreche von Therapie und nicht von Beratung oder Coaching. Therapie setzt voraus, dass eine psychische Störung / Belastung / Leiden mit Krankheitsmerkmalen vorliegt. Und in dem Fall ist immer eine persönliche Face-to-Face – Konsultation zwischen Betroffenem und Behandelndem als allererstes notwendig.

Danach kann durchaus die Fern-(Online-)Therapie mit Hilfe visueller Kommunikation (z.B. Skype) unterstützend ausreichend sein.

Genauso gut kann sich aus einer psychologischen Online-Beratung oder einem Online-Coaching ergeben, dass der/die verantwortungsvolle psychotherapeutische Fachmann/Fachfrau auf eine persönliche Vorstellung zur Fortsetzung der Hilfe besteht. Nämlich immer dann, wenn eine psychische Störung mit Krankheitswert nicht ausgeschlossen werden kann.

Fazit:

  • Information im Internet & Co. einholen.
  • Verstehen und akzeptieren, dass man kein Versager ist und keine Schuld hat.
  • Persönliche fachspezifische Hilfe aufsuchen. Z.B. hier…
  • Alles weitere nach Diagnose und Behandlungsangebot entscheiden.

In diesem Sinne, googlen Sie gut.

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