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Paranoide Persönlichkeitsstörung

Zunächst noch einmal zur Erklärung:
Von einer Persönlichkeitsstörung wird erst dann gesprochen, wenn:

  • die Verhaltensmuster und Erlebensweisen des Betroffenen insgesamt deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben und Normen abweichen; diese Abweichungen äußern sich in der Art zu denken, zu fühlen und in der Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen;
  • die Abweichung so ausgeprägt ist, dass das daraus resultierende Verhalten in vielen Situationen des Alltags unangemessen, unangepasst und unflexibel ist;
  • durch dieses Verhalten bei den Betroffenen selbst und/oder in ihrem sozialen Umfeld erheblicher Leidensdruck entsteht;
  • das abweichende Verhaltensmuster stabil und von langer Dauer ist und in der späten Kindheit oder Jugend begonnen hat;
  • eine andere schwere psychische oder organische Erkrankung nicht die Ursache des auffälligen Verhaltens ist.

Die paranoide Persönlichkeit wünscht sich insgeheim, geliebt zu werden. Allerdings ohne Kompromisse was ihre autonome Selbstbestimmung angeht. Sie selbst hat Recht! Eigentlich immer. Wer das nicht akzeptiert, verwehrt dem Paranoiden das Gute der Welt.

Die paranoide Persönlichkeit ist kompliziert misstrauisch denkend.

Beispiel:

Klingelt ein Vertreter an der Tür, glaubt ihm der Paranoide nicht, dass er tatsächlich ein Abo verkaufen will. Eher hält er ihn für einen Spion aus der Nachbarschaft, oder er vermutet, dass der Abo-Verkauf ein Vorwand ist, um mit der erschlichenen Unterschrift sein Konto zu plündern.

Entwicklung zur Psychose

Der Paranoide hat, wie jeder, verletzende Erfahrungen gemacht. Statt sich wie der Schizoide aber bloß zurückzuziehen und sich selbst genug zu sein, bleibt hinter dem Groll des Paranoiden ein lebhaftes Interesse an der Zuwendung durch andere. Resultat ist ein Gemenge aus Misstrauen, Forderungen, Feindseligkeit und dem Glauben, dass sich alles Mögliche auf ihn bezieht.

Da diese Haltung gehäuft neue Kränkungen nach sich zieht, wird die Weltsicht des Paranoiden aus der eigenen Dynamik heraus weiter verstärkt. Oft entwickelt sich daraus ein psychotisches Erleben. Dann ist der Kranke außerstande, die Subjektivität seiner Sichtweise auch nur im Ansatz einzusehen.

Partnerschaft

Paranoide Menschen leben häufig allein. Einsamkeit ist den paranoiden Tendenzen dienlich. Und, das Misstrauen paranoider Personen schließt auch die engsten Bezugspersonen mit ein, sobald diese versuchen ein anderes Weltbild zu haben.

Paranoide kommen übrigens gut zurecht mit krankhaft abhängigen Personen. Diese übernehmen gerne die misstrauisch-vorwurfsvolle Weltsicht des Paranoiden und geben damit gerne das Für-etwas-verantwortlich-sein ab.

Nicht selten entwickelt sich aus einer solchen Gemeinschaft eine Verrücktheit zu zweit oder wie der Therapeut sagt eine Folie à deux.

Merkmale paranoider Persönlichkeiten

  • Verdächtigt andere unlauterer Absichten.
  • Reagiert gereizt auf echte und vermeintliche Zurückweisungen und Kränkungen.
  • Ist misstrauisch.
  • Liest aus neutralen Aussagen angeblich Abwertendes heraus.
  • Sieht überall zuerst das Schlechte.
  • Verwickelt sich schnell in Streit.
  • Ist nachtragend und rechthaberisch.
  • Pflegt analytisch-scharfsinnigen Denkstil.
  • Kann sich nicht in anderer Leute Sichtweisen einfühlen.
  • Schreibt die Schuld am Misslingen eigener Pläne anderen zu.

 

Auf die krankhaft abhängige Persönlichkeit gehe ich im nächsten Beitrag ein.

 

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