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Was ist eine krankhaft abhängige Persönlichkeit?

Zunächst noch einmal zur Erklärung: Von einer Persönlichkeitsstörung wird erst dann gesprochen, wenn:

  • die Verhaltensmuster und Erlebensweisen des Betroffenen insgesamt deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben und Normen abweichen; diese Abweichungen äußern sich in der Art zu denken, zu fühlen und in der Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen;
  • die Abweichung so ausgeprägt ist, dass das daraus resultierende Verhalten in vielen Situationen des Alltags unangemessen, unangepasst und unflexibel ist;
  • durch dieses Verhalten bei den Betroffenen selbst und/oder in ihrem sozialen Umfeld erheblicher Leidensdruck entsteht;
  • das abweichende Verhaltensmuster stabil und von langer Dauer ist und in der späten Kindheit oder Jugend begonnen hat;
  • eine andere schwere psychische oder organische Erkrankung nicht die Ursache des auffälligen Verhaltens ist.

Eine krankhaft abhängige Persönlichkeit hat ein deutlich überzogenes Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit. Sie sucht ständig nach einer Bestätigung durch andere und, das ist wohl das Gravierendste, sie leidet unter Trennungsangst. Folglich stellt diese Persönlichkeit ihre eigenen autonomen Wünsche und Bedürfnisse zurück.

Die krankhaft abhängige Person vermeidet eigenständige Entscheidungen. Konflikten weicht sie stets aus. Abhängige bewegen sich im Schatten der Mutigen. Sie sind schnell bereit, sich den Forderungen und Erwartungen anderer zu fügen.

Wie brave Kinder hoffen sie auf den Schutz derer, denen sie nahezu bedingungslos folgen und das Feld überlassen.

Beispiel:

  • Klingelt ein Vertreter an der Tür, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die abhängige Person auch das Abo bestellt. Wenn der Vertreter sagt, dass man bestellen soll, kann es nur richtig sein. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Unterschrift ein Fehler war, sieht der Abhängige bei sich keine Schuld. In seiner Wahrnehmung hat er selbst doch nichts entschieden. Schuld ist der Vertreter, der falsch informiert hat.

Entwicklungsdynamik

Ursächlich beginnt die Abhängigkeit in der Kindheit. Eigenständige Entwicklungsschritte sind unterbunden worden. Das Kind hat gelernt, bloß kein Risiko einzugehen. Die abhängige Person geht auf Nummer sicher. Bevor sie selbst etwas wagt, sucht sie den Schutz und damit die Verantwortung Erfahrener.

Statt ihre Möglichkeiten auszutesten und an Erfolgen ebenso zu wachsen wie am Scheitern, verzichtet die krankhaft abhängige Person auf neue Erfahrungen überhaupt.

So entwickelt sich ein Mangel an Lebenserfahrung, der im Laufe der Zeit immer größer wird. Hier beginnt der Kreislauf: Die Befürchtung, dass andere zu mutigen Entscheidungen und Taten in der Lage sind, man selbst aber nicht, fördert die Hilflosigkeit.

Je weniger man sich zutraut, desto weniger lernt man, Erfolge zu haben. Je weniger man kann, desto schwieriger kommt einem das Leben vor. Je schwieriger das Leben zu sein scheint, desto mehr sucht man sich Beschützer. Je mächtiger die Beschützer, desto eher wird man von ihnen krankhaft abhängig, quasi bis zur ´Entmündigung´.

Partnerschaft

Der abhängige Mensch sucht sich gerne einen Partner, der für ihn Entscheidungen trifft. Solange dieser Partner beider Wohl bedenkt, kann der Abhängige ein zufriedenes Leben führen, ohne dass er je die Führung oder Verantwortung übernähme.

Beachtet der Partner das Wohl des Abhängigen nicht, ist hilfloses Unglück vorprogrammiert. Ein rücksichtsloser Partner macht mit dem Abhängigen, was er will.

Das ´brave Kind´ kann diesem Kreislauf nur entkommen, indem es erwachsen wird, für sich selbst sorgt und eigene Verantwortung übernimmt.

Zugegeben, eine schwerer Weg. Zumal, wenn man in der Kinder- und Jugendzeit mit kontraproduktiven ´Glaubenssätzen´ zugemüllt wurde.

Merkmale abhängiger Persönlichkeiten

  • Verlässt sich auf andere.
  • Scheut eigene Entscheidungen.
  • Leidet unter Verlust- und Trennungsängsten.
  • Vermeidet Verantwortung.
  • Ordnet sich unter.
  • Glaubt an eigenes Unvermögen.
  • Wirkt naiv und leichtgläubig.

 

Im nächsten Beitrag gehe ich auf die theatralische (histrionische) Persönlichkeit ein, die sich durch überschwängliche Gefühlsausbrüche und übertrieben lebhaftes Gebaren präsentiert.

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