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Selbstablehnung und Selbstkritik

Viele Menschen leiden unter verminderter Selbstachtung und geringem Selbstvertrauen. Woher kommt das?

In den ersten Lebensjahren sind wir emotional und körperlich sehr stark von unseren Eltern, unseren Bezugspersonen abhängig. Wir können noch nicht für uns selbst sorgen und brauchen sie, um zu überleben.

Deshalb dürfen wir es auch nicht mit ihnen verscherzen. Wir müssen uns an deren Spielregeln halten und diese befolgen. Unsere Anpassung und Unterordnung ist überlebensnotwendig. Und das beginnt unmittelbar nach der Geburt. Dieses alles passiert unbewusst und ist ein natürlicher Reflex, den wir nicht steuern können.

In diesem Stadium unserer frühkindlichen Entwicklung lernen wir, die Kritik unserer Bezugspersonen als Wahrheit zu akzeptieren. Nach deren Vorgaben beurteilen wir unsere Fehler und Schwächen. Unsere vermeintliche Unvollkommenheit be- und verurteilen wir, so wie die Eltern es uns vorgeben und vorleben.

Damit ist der scharfe innere Kritiker in uns ist geboren.

„So wie ich bin, bin ich nicht richtig: Zu lauft, zu leise, zu dick, zu dünn, zu faul, zu aktiv, zu nervig, zu…was auch immer. Mit dir hat man nur Ärger, du machst mich krank, du bist Schuld an.., das geschieht dir recht…usw.“

Je öfter wir solche Worte hörten, umso mehr bekommen wir den Eindruck, etwas müsse mit uns nicht stimmen. Es bilden sich tief und fest sitzende Glaubenssätze, die reflexartig, ohne bewusstes Zutun, immer wieder bei passender Gelegenheit an die Oberfläche spülen.

Mit Beginn der von außen auf uns einwirkenden Kritik, also ab frühester Kindheit, denken wir uns: „Wenn wir in Ordnung wären, dann würde man nicht so mit uns reden und uns so behandeln. Folglich muss mit uns etwas nicht stimmen, dass man permanent so über uns und mit uns redet.“

Dieses Gefühl, nicht in Ordnung zu sein, ist so tief in uns verwurzelt und so zu einem Teil unserer Persönlichkeit geworden, dass wir es als absolut und richtig erachten. Unsere Selbstverachtung ist scheinbar gerechtfertigt.

Insofern scheinen auch diesbezügliche Bestrafungen seinerzeit und heute gerechtfertigt zu sein.

Und so fahren wir fort, übernehmen als Jugendliche und Erwachsene unsere Bestrafung selbst.

Wir lernen, die Selbstbestrafung und Selbstverurteilung als ein wichtiges Hilfsmittel anzusehen, um unsere (vermeintliche) Unvollkommenheit zu überwinden und so zu werden, wie wir sein sollten.

Ja, wir werden in der Selbstbestrafung und im Ändern unseres Verhaltens so gut, dass wir unsere „Fehler“ korrigieren und uns anpassen, ehe unsere Mitmenschen merken, dass wir unvollkommen sind. Wir lernen der Bestrafung und Ablehnung der anderen zu entgehen, indem wir lernen, uns selbst zu bestrafen und unser Verhalten zu korrigieren.

Wir verinnerlichen diese Selbstbeurteilung und Selbstverurteilung (das was man tun und nicht tun sollte, was gut und schlecht, moralisch und unmoralisch) so sehr, dass wir als Erwachsene die Autorität unseres inneren Kritikers nicht in Frage stellen. Er und seine verurteilenden Kommentare fühlen sich ebenso richtig und zu uns gehörig an, wie unsere Arme und Beine.

Die Stimme des inneren Kritikers ist unfehlbar. Oder? Wir kommen deshalb gar nicht auf die Idee, dass der Kritiker ein überflüssiges Relikt aus einer Zeit sein könnte, als wir noch von unseren Eltern abhängig waren.

Und wir übersehen, dass die Einhaltung vieler dieser Regeln für uns als Erwachsene nicht mehr sinnvoll und nützlich ist.

  • Welche Glaubenssätze hat man Ihnen eingetrichtert?
  • Machen Sie mal eine Liste. Sie werden sich wundern.

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