Anpassungsstörung – Auslöser

Fortsetzung,  Teil 2

Menschen sind im Lauf ihres Lebens vielfach Situationen ausgesetzt, die unangenehm, quälend, ängstigend, erschreckend oder zermürbend sind. Wie stark diese empfunden werden, ist ganz individuell verschieden.

Jeder Mensch geht mit Belastungen unterschiedlich um. Während der Eine das Erlebte psychisch völlig unbeschadet übersteht, entwickelt der Andere durch den gleichen Auslöser, die gleiche Ursache eine leidvolle Störung.

Es ist immer die eigene subjektive Wahrnehmung des Betroffenen entscheidend. Und auch, welche (aktuelle) Lebenssituation mit seiner momentanen und individuellen Belastbarkeit zusammentrifft.

Viele Faktoren können die Anpassungsfähigkeit stören:

  • Art, Dauer und Heftigkeit der Belastung
  • Welche Bedeutung / Wertigkeit hat das Ereignis für den Betroffenen? Ein letzter Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen.
  • Wie psychisch widerstandsfähig, wie sensibel und verletzlich ist der Betroffene grundsätzlich? Ausgeglichene, optimistische und selbstbewusste Menschen können mit Krisen in der Regel besser umgehen.
  • Welche Bewältigungsstrategien kann der Betroffene abrufen? Ist er in der Vergangenheit schon erfolgreich mit ähnlichem Erlebnis umgegangen? Kann er diese Erfahrungen auf die neue Situation anwenden?
  • Ist ein unterstützendes soziales Umfeld vorhanden, z. B. Familie, Freunde, Kollegen? Ohne soziale Bindungen, Partnerschaften leiden emotional instabile Menschen, eher bei Belastungs- bzw. Anpassungsstörungen.

Störungsbild

Die Störung wird dem Betroffenen und seinem sozialen Umfeld dann besonders deutlich, wenn sie innerhalb eines Monats nach einem auslösenden Ereignis auffällt.

Der tatsächliche Beginn ist allerdings häufig durch Verdrängung, Verleugnung (selbst nicht wahrhaben wollen) oder „Schönreden“ von Belastungen undefiniert. Es ist nicht selten, dass sich die Belastung aus mehreren Ereignissen angehäuft und verfestigt hat; – wie der „Schmutz, den man unter den Teppich kehrt“.

Die am häufigsten auftretenden psychischen Auffälligkeiten sind Angst und Sorge, Depressivität, Ärger, Verbitterung, Verzweiflung und emotionale Verwirrtheit. Es kann zu heftigen Gefühlsausbrüchen kommen ebenso wie zu totalem Rückzug und Verweigerung.

Gefühle von Isolation, Bedrängnis, Traurigkeit und Hilflosigkeit können sich einstellen. Sie bestärken den Eindruck, den alltäglichen Lebensaufgaben nicht mehr gewachsen zu sein. Hoffnungslosigkeit, die sich zur Apathie steigern kann, gehört zum typischen Leidensdruck bei chronischer Anpassungsstörung.

Ein Stimmungseinbruch sowie Desinteresse, Konzentrationsschwierigkeiten und der Verlust an Lebensfreunde können das Sozialverhalten der Betroffenen beeinträchtigen und deren Leistungsfähigkeit einschränken. Verhaltensauffälligkeiten wie sozialer Rückzug, Aggressivität oder sogar dissoziales Verhalten sind möglich.

Wichtig zu wissen ist für Betroffene wie für die Mitleidenden im sozialen Umfeld: Das Verhalten ist unkontrolliert, es ist nicht gewollt, es geschieht unbewusst spontan.

Somatische (körperliche) Beschwerden, wie beispielsweise Muskel-/Skelett-Verspannungen und Störungen im Verdauungstrakt, sind eine häufige Begleiterscheinung.

Lesen Sie auch Teil 1 , Das ist doch nichts Krankhaftes – oder?

In den kommenden Beiträgen, in 14-tägiger Folge, gehe ich auf die Aspekte Diagnose und Therapie ein.

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