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Die dissoziative Identitätsstörung. Teil 1

Die dissoziative Identitätsstörung ist per (WHO) Definition keine Persönlichkeitsstörung.

Unter der dissozia­tiven Störung versteht man seelische Zustände, bei denen Teile des Erlebens aus dem Bewusstsein abgespalten sind. Noch treffender wäre der Begriff Identifikationsstörung: Die Identität der Person bleibt erhalten. Allerdings wechseln die Eigenschaften der Person. Die Identifikation mit dem integrierten Selbstbild.

Kernsymptome

Der von Identifikationsstörung Betroffene wechselt in diversen Zeiten in andere Persönlichkeitsmerkmale hinsichtlich:

  • Charakter
  • Kommunikation
  • Wahrnehmung
  • Bewusstsein von Erinnerungen
  • Relevanz des Verhaltens auf aktuelle Situationen und / oder vergangene Erfahrungen

Die unterschiedlichen Verhaltensweisen treten situativ auf, je nach Lage der Dinge werden verschiedene Bündelungen von Verhalten und Persönlichkeitsmerkmalen „lebendig“.

Neben der Primärpersönlichkeit können einige weitere, auch wechselnde Sekundärpersönlichkeiten, in Erscheinung treten.

Ein starkes Kernsymptom ist die psychogene Gedächtnisstörung. Sie wird durch psychogene Prozesse hervorgerufen, – sogenannte Abwehrmechanismen sind der unbewusste Auslöser.

Im Extremfall weiß eine Teilpersönlichkeit nicht, was die andere erlebt hat. Dann ist der entsprechende Gedächtnisinhalt vollständig abgespalten. Meistens kommt es aber nur zu teilweisen Abspaltungen: Die Erinnerung, was man unter der Dominanz der jeweils anderen Persönlichkeit tat, ist dann bloß ausgedünnt, sie ist stark verblasst, oder wird als entrückt erlebt, so wie nicht zu einem selbst gehörig.

Merkmale,

die an dissoziative Elemente bei der Entstehung psychischer Probleme denken lassen könnten, sind:

  • Unerklärliche Erinnerungslücken bezüglich Gesprächen, die man geführt hat oder Dingen, die man getan hat
  • Verlegen von Gegenständen
  • Auffinden von Gegenständen an unerklärlichen Orten
  • Entfremdungserlebnisse
  • Plötzliches Erinnern traumatischer Erlebnisse
  • Plötzliches Zu-sich-kommen an Orten, von denen man nicht weiß, wie man hingekommen ist
  • Unerklärliche Bewegungs- und Empfindungsstörungen von Körperteilen
  • Völlige Preisgabe gefasster Vorsätze
  • Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität
  • Sich mal so und mal ganz anders fühlen
  • Rückmeldung von außen, dass man sich widersprüchlich verhält
  • Dinge getan zu haben, von denen man hinterher sagt: Das passt überhaupt nicht zu mir.
  • Stimmenhören, im Sinne von Pseudo­halluzinationen: Bei der Pseudohalluzination ist sich der Kranke des irrealen Charakters der Stimme in seinem Kopf bewusst. Er deutet sie nicht als von außen kommend oder als von außen gemacht.

Liegt eine teilweise Abspaltung vor, wissen die verschiedenen Persönlichkeiten voneinander. Sie beurteilen sich wechselseitig und rivalisieren miteinander um den Primäreinfluss.

Vermutlich sind bei vielen seelischen Problemen dissoziative Mechanismen im Spiel, die zu komplexen Störungen beitragen. Betroffene verstehen sich jedoch nicht als „Spielball“ unabhängig voneinander handelnder Sekundär­persönlichkeiten.

Was ihnen stattdessen auffallen mag, sind plötzliche Stimmungs­wechsel, unerklärliche Launen, sprunghaftes Verhalten, Ände­rungen ihrer Vorsätze und Urteile über Lebensumstände oder Elemente der Außenwelt, deren Hin und Her ihnen selbst rätselhaft erscheinen. Erst durch gezieltes Hinterfragen werden dann dissoziative Muster erkennbar, deren Effekte man als unterschwellige oder teilweise dissoziative Identifikationsstörungen verstehen kann.

Hier schließe ich mit dem 1. Teil zur dissoziativen Identifikationsstörung. Lassen Sie das Ganze auf sich wirken.

In 14 Tagen geht es dann weiter mit den Übergängen und Unterschieden im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen, innerseelische Vorgänge, biographische Ursachen, Verdrängen und Lösungsstrategien.

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